Misericordias Domini                   Barmherzigkeit des Herrn       2020

 

Wochenspruch

„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

(Johannes 10, 11a. 27-28a)

 

Psalm

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er  weidet mich auf  grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele.

Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und  schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und  ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Evangelium                       Der gute Hirte             Johannes 10, 11-16. 27-30

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

 

Wochenlied                      EG 358       Es kennt der Herr die Seinen

 

1° Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein, im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.

 

2° Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut; der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt.

3° Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht, in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn, die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.

 

4° Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen sucht, die andern so begegnet, wie er das Herz bewegt, die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.

 

5° So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land am Werk der Gnadentriebe durch seines Geistes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe als seiner Gnade Werk.

 

6° So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei; lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn.

 

Predigttext                                                             1. Petrus 2, 21b-25

°Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen,

dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;

 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;

 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

 Denn ihr wart wie irrende Schafe;

aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Kurzpredigt              1. Petrus 2, 21b-25

Nachahmung und Stellvertretung.

»Es kennt der Herr die Seinen«. Es kennt der Hirte seine Schafe.

Am Sonntag vom guten Hirten ist das die frohe Botschaft.

Die Schafe sollen dem Hirten folgen.

Das bedeutet: Nachahmung. Imitation Christi – ein gewaltiges Wort.

Ein Christ ist doch nicht Christus.

Aber die Rede von der Rettung der Christen - Rechtfertigungslehre - ohne die Aufforderung zur Nachfolge, zur »Heiligung« erstarrt zu reiner Theorie. tischen Gedankenspiel.

DESHALB – ist Christus Vorbild der Christen, nicht Abbild.

Wir sollen in seine Fußstapfen steigen, sagt der 1. Petrusbrief.

 

Aber ohne die Rückbesinnung auf die Rechtfertigung durch das Leiden Jesu Christi wird dieser auf ein erstrebenswertes Vorbild verkleinert.

Das Heil besteht dann allein in der Nachfolge.

Jesus ist dann ersetzbar durch andere »gute Menschen«.

Rechtfertigung wird zur Leistung des Menschen.

Das widerspricht der Botschaft des Evangeliums, widerspricht evangelischer, reformatorischer Lehre.

 

Der 1.Petrusbrief bedenkt hier beides.

Das Leiden Christi ist Voraussetzung für die Nachfolge der Jünger.

Wir sollen dem folgen, der für uns gelitten hat.

»Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir« (Mt 16,24).

Sein KREUZ auf sich nehmen, nicht nur umhängen oder gar ablegen, wenn es unbequem wird – wie das Amtskreuz deutscher Bischöfe in Jerusalem.

Es ist nicht so leicht, was uns da aufgegeben ist.

Menschen leiden um ihres Amtes wegen, leiden darunter, nicht zu schaffen, was sie leisten zu müssen glauben. Etwa christliche Krankenschwestern, die darunter leiden, dass sie nicht mehr Zeit haben, um mit Kranken zu beten oder zu reden.

Der 1. Petrusbrief nimmt die Rede vom Gottesknecht im Jesajabuch auf,

der stellvertretend für die Gemeinde in den Tod geht.

Noch immer erscheinen uns Christi Fußstapfen zu groß.

Der große alte Gelehrte Fulbert Steffensky sagte dazu:

Wir sind kleine Leute in zu großen Schuhen.

Und doch machen wir uns auf den Weg.

Aber wir zögern, unsere Füße in Christi Spur zu setzen.

Denn an seinen Fußstapfen kleben Blut und Tränen.

Doch der uns auffordert zu folgen, ist nicht nur für die Perfekten da, sondern auch für die Scheiternden. Christus der Sündlose für die Sünder.

»Wir haben Gottes Spuren festgestellt, auf unsern Menschenstraßen ... Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen« (Diethard Zils)