Sonntag        Laetare „Freue dich“                        22.03.2020

Wochenspruch:  (Johannes 12, 24)

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;

wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht."

 

Wochenpsalm  (Psalm  84, 2 – 13)

2  Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!

3  Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

4  Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott.

5  Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. SELA.

6  Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!

7  Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.

8  Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.

9  Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! SELA.

10  Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten!

11  Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.

12  Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

13  Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

 

Evangelienlesung   Johannes 12, 20-24

 

20  Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.

21  Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen.

22  Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus.

23  Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24  Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

 

Wochenlied

EG  396         Jesu meine Freude

 

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu meine Zier:

Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir!

Gottes Lamm, mein Bräutigam,

außer dir soll mir auf Erden nichts sonst liebers werden.

 

Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.

Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.

Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken,

Jesus will mich decken.

 

Trotz dem alten Drachen, trotz dem Todesrachen, trotz der Furcht dazu!

Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.

Gottes Macht hält mich in Acht, Erd und Abgrund muss verstummen,

ob sie noch so brummen.

Predigttext

Jesaja 66, 10-14

 

10  Freut euch mit Jerusalem, und jauchzt über sie, alle, die ihr sie liebt! Frohlockt von Herzen mit ihr, alle, die ihr um sie trauert!

11  Damit ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihres Trosts, damit ihr schlürft und euch erquickt an ihrer prall gefüllten Mutterbrust.

12  Denn so spricht der HERR: Sieh, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Nationen wie einen flutenden Fluss, und ihr werdet trinken, auf der Hüfte werdet ihr getragen, und auf den Knien werdet ihr geschaukelt.

13  Wie einen, den seine Mutter tröstet, so werde ich euch trösten, und getröstet werdet ihr in Jerusalem.

14  Und ihr werdet es sehen, und euer Herz wird frohlocken, und eure Knochen werden erstarken wie junges Grün. Und die Hand des HERRN wird sich bekannt machen bei seinen Dienern und sein Zorn bei seinen Feinden.                                                                                                                                  [Übersetzung: Zürcher Bibel 2007]

 

 

Jesaja 66, 10-14                                       Gedanken zum Predigttext

 

Laetare  So heißt der Sonntag (22. 3. 2020) mitten in der Passionszeit.

Übersetzt „Freue dich“. In Zeiten einer globalisierten Krankheit wird uns geraten, uns zu freuen. Trotz alledem!

Der Text hat sogar weihnachtliche Anklänge. „Jauchzet, frohlocket“ heißt es in Bachs Weihnachtsoratorium. „Jauchze laut, Jerusalem“ singen wir im Lied „Tochter Zion“.

Damals – vor zweieinhalb tausend Jahren – machte ein Prophet seinem Volk Mut. Das war auch nötig. Die Zeiten waren nicht rosig.

Immerhin war die Gefangenschaft in Babylon schon Geschichte.

Aber die alte Pracht von Jerusalem war dahin.

Und manche Menschen in Israel waren Gott so fern, dass sie Gott nicht mal einen guten Mann sein ließen.

Doch jetzt sollen sich die Treuen freuen, freuen mit Jerusalem.

Jerusalem, das Jahrzehnte zuvor von den Babyloniern zerstört worden war. Und darin das „Haus Gottes“, der Tempel genauso verwüstet.

Jerusalem wird nun wie eine Frau beschrieben, eine nährende Mutter.

Bei ihr, an der Brust ihres Trostes sollen sich die Gott Treuen erquicken.

Die alten Knochen sollen stark werden, wie junge Äste.

Und die Gläubigen sollen getröstet werden wie jemand, den seine Mutter tröstet. Der Prophet sagt: Gott tröstet mütterlich.

Dadurch wird Gott nicht zur Göttin, denn Gott ist Gott, nicht Mann noch Frau. Und so wie die alten Israeliten wollen wir uns auch in der vorösterlichen Besinnungszeit, die uns in diesem Jahr vor Augen führt, wie gefährdet unser Leben und unser Zusammenleben ist, trösten lassen.

Denen, die noch bei Trost sind, wird nicht verkündet, dass sie nicht getröstet werden müssten. Nein, die Lage ist ernst – aber nicht trostlos.

„Wie … Mutter tröstet, so werde ich euch trösten.“

Trösten auch Sie. Sein Sie anderen nahe, auch wenn Sie nicht in ihre Nähe kommen können.

Gottes Friede bewahre unsere Herzen und Sinne              Amen.

 

Pfarrer F.D. Plasan / Briesen