Sonntag Cantate         10. 5. 2020

Wochenspruch      (Psalm 98, 1)

Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er tut Wunder."

 

Psalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

2 Der Herr lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

4 Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

5 Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

6 Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

7 Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich

9 vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

 

Wochenlied                        Du meine Seele singe                             EG 302

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

 

2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

 

3) Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, / die Seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl´ge Herde / im großen wilden Meer.

 

4) Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, / die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, / und was Er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden, / den schützt Er im Gericht.

 

8) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

 

Evangelium             Lukas 19, 37-40

37°Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

[ Genter Altar, singende Engel ]

 

Predigttext              2. Chronik 5, 2-5; 12-14

 

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des Herrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

 …

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

 

Cantate                                                                   2. Chronik 5, 2-5; 12-14

Cantate heißt der Sonntag; „Singet“ heißt das auf Deutsch.

Es ist dies der Kirchenmusiksonntag.

Zu diesem Tag gibt man uns einen Text aus dem Alten Testament, der scheinbar den musikalischen Höhepunkt im alten Israel bildet.

Nachdem König David Jerusalem zur Hauptstadt gemacht und die Bundeslade dorthin gebracht hatte, wird der Tempel, den sein Sohn Salomo bauen ließ, nun eingeweiht.

Wie ein Mann blasen einhundertzwanzig Leute das Eröffnungssignal.

Und dann folgt begleitet von Saiteninstrumenten der große Lobgesang:

 

„Der Herr ist gütig und seine Barmherzigkeit währet ewig.“

 

Gottes Barmherzigkeit wird gepriesen.

Niemals zuvor hatte man im alten Israel eine prunkvollere Musik gehört.

Der Lobgesang ist so gewaltig, dass in einer Wolke Gottes Gegenwart erscheint.

Und zwar derartig, dass die Priester nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können, überflüssig werden.

Das hat etwas von Endzeit, ein Vorgeschmack auf die göttliche Vollendung.

 

Der Chronist beschreibt hier eine gute alte Zeit, ein goldenes Zeitalter.

Aber Glanz kommt immer auf, wenn Gott mit Musik gelobt wird.

 

„Der Herr ist gütig und seine Barmherzigkeit währet ewig.“

 

So lautet der Gesang hier.

Schon im alten Israel ist der Gesang ganz wichtig.

Die Psalmen sind das erste Gebets- und Gesangbuch, das wir haben.

In unseren Gemeinden feiern wir erst nach dem Gesangssonntag Cantate, am Sonntag Rogate (Betet) Gottesdienst. Dann aber auch mit Gesang.

Lob Gottes ist der tiefe Grund für Gottesdienst, nicht Agitation durch Predigt.

„Gott loben das ist unser Amt“, heißt es in einem Choral aus dem 17. Jahrhundert in Anlehnung an Psalm 100 (Ev. Gesangbuch  288).

Aber auch Dank und Klage haben ihren Ort im Gottesdienst.

Gemeindegesang, Chöre, Orgel, Posaunenchöre sollen zur Ehr Gottes erklingen.

„Soli Deo gloria“ – Allein Gott zur Ehre.

So unterschrieb der berühmteste Kirchenmusiker seine Werke - Johann Sebastian Bach.

Sein auch wir nicht tönende Schellen, sondern Menschen, die den Schöpfer loben, ihm danken und ihn bitten.