1. Sonntag nach Epiphanias                       10. 1.  2021

 

Liturgische Farbe: grün

 

Wochenspruch:        Röm 8,14

Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen,

sind seine Söhne und Töchter.

 

Psalm: 89, 2-5; 27-30

Israels Not und die Verheißung an David

 Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;  denn ich sage: Auf ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.  »Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten, ich habe David, meinem Knechte, geschworen:  Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig und deinen Thron bauen für und für.« Sela.

 

 Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und der Hort meines Heils.  Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Königen auf Erden.  Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade, und mein Bund soll ihm fest bleiben.  Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt.

 


 

 

Wochen-Lied:   441 (1-5) – “Du höchstes Licht, du ewger Schein”

 

Du höchstes Licht, du ewger Schein

1) Du höchstes Licht, du ewger Schein,
du Gott und treuer Herre mein,
von dir der Gnaden Glanz ausgeht
und leuchtet schön so früh wie spät.

 

2) Das ist der Herre Jesus Christ,
der ja die göttlich Wahrheit ist,
mit seiner Lehr hell scheint und leucht',
bis er die Herzen zu sich zeucht.

 

3) Er ist das Licht der ganzen Welt,
das jedem klar vor Augen stellt
den hellen, schönen, lichten Tag,
an dem er selig werden mag.

 

4) Den Tag, Herr, deines lieben Sohns
lass stetig leuchten über uns,
damit, die wir geboren blind,
doch werden noch des Tages Kind

 

5) und wandeln, wie's dem wohl ansteht,
in dessen Herzen hell aufgeht
der Tag des Heils, die Gnadenzeit,
da fern ist alle Dunkelheit.

 


 

 

Evangelium                         Mt 3,13-17                Jesu Taufe

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu. 16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

 

 

Predigttext               Röm 12,1-8 (Epistel)

 

1 Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf. 2 Richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist. 3 Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat. 4 Es ist wie bei unserem Körper: Er besteht aus vielen Körperteilen, die einen einzigen Leib bilden und von denen doch jeder seine besondere Aufgabe hat. 5 Genauso sind wir alle – wie viele und wie unterschiedlich wir auch sein mögen – durch unsere Verbindung mit Christus ein Leib, und wie die Glieder unseres Körpers sind wir einer auf den anderen angewiesen. 6 Denn die Gaben, die Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat, sind verschieden. Wenn jemand die Gabe des prophetischen Redens hat, ist es seine Aufgabe, sie in Übereinstimmung mit dem Glauben zu gebrauchen. 7 Wenn jemand die Gabe hat, einen praktischen Dienst auszuüben, soll er diese Gabe einsetzen. Wenn jemand die Gabe des Lehrens hat, ist es seine Aufgabe zu lehren. 8 Wenn jemand die Gabe der Seelsorge hat, soll er anderen seelsorgerlich helfen. Wer andere materiell unterstützt, soll es uneigennützig tun. Wer für andere Verantwortung trägt, soll es nicht an der nötigen Hingabe fehlen lassen. Wer sich um die kümmert, die in Not sind, soll es mit fröhlichem Herzen tun.

 

 

Röm 12,1-8  Nicht überheblich – nicht unterwürfig

                                                                                     2020 / 2021     Reihe 3

 

Ein Papst im 20. Jahrhundert hat manchmal zu sich selbst gesagt:

„Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!“

So wichtig jemand erscheinen mag, er ist es nicht.

So unwichtig sich jemand fühlen mag – er ist es nicht!

Alle sind Gottes Geschöpfe und haben durch ihn ihre Würde.

Aber es gibt auch Unterschiede.

Es gibt Unterschiede, die in Gottes Schöpfungsordnung festgelegt sind, auch wenn Leute, die sich besonders fortschrittlich vorkommen, solches leugnen.

Und es gibt Unterschiede, die von Menschen gemacht sind und nur den Interessen einzelner Menschen dienen – oft auf unmenschliche Weise.

Solche Unterschiede werden dann auch noch vernebelt, um die wahren Machtverhältnisse zu verschleiern.

Berühmt sind die Worte aus George Orwells „Farm der Tiere“, wo die Verlogenheit und Brutalität einer kommunistischen Diktatur in eine Fabel gefasst wurde: „Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher.“

In einer im menschlichen – und göttlichen – Sinne gut funktionierenden Gesellschaft wird man immer bemüht sein, die Unterschiede nicht durch Sprachregelungen oder Propaganda zu verkleistern, sondern sie nicht zu groß werden zu lassen.

Nun ist „ausgleichende Gerechtigkeit“ ein sehr dehnbarer Begriff.

Aber er zeigt an, in welche Richtung es gehen sollte.

Schon die Propheten im Alten Testament haben dahin gehend gemahnt.

 

Aber wir haben hier keinen alten Prophetentext vor uns, sondern ein Wort des Paulus an die junge Gemeinde in Rom.

Paulus vergleicht die Organisation einer lebendigen Kirchengemeinde mit einem lebenden Organismus. Da ist kein Platz für Stolz.

Die einzelnen Teile, die Gemeindeglieder hängen zusammen.

Sie existieren nicht allein. Und alles, was sie haben und können, ist ihnen von Gott gegeben. Gaben und Begabungen.

Paulus nennt die Gabe des prophetischen Redens. Wer die hat, der soll gemäß dem Glauben an Christus predigen.

Wenn jemand praktische Gabe, also keine zwei linken Hände hat, dann soll er oder sie Hand anlegen für die Gemeinde.

Wenn jemand gut erklären kann, dann soll er dem Glauben gemäß lehren.

Wenn jemand die Gabe des Zuhörens und der tröstenden Rede hat, dann soll er der Seele anderer Christen aufhelfen.

 

Eine Gemeinde kann gut wirken, wenn Christen ihre Begabungen für alle anderen anwenden. Wenn sie das, was sie können, auch tun – zum Nutzen der Gemeinde.

Ein zeitgenössischer Spruch, den ich im „weltweiten Gewebe“ fand, sagt es so:         Machen ist wie wollen, nur krasser!

Machen wir mal – nicht weil wir wollen, sondern weil Gott uns begabt hat. Das heißt Gott dienen – auch außerhalb des Gottesdienstes, den wir zur Zeit nicht feiern.

 


 

Fürbitten

 

Herr, gib uns den Willen und die Möglichkeit, etwas zu tun:

Wo Menschen und ihre Rechte mit Füßen getreten werden …

Wo Solidarität als Schwäche ausgenutzt wird …

Wo Hunger Leben auffrisst …

Wo Krieg dem Tod das Feld überlässt …

Wo Oberflächlichkeit zur Lebensart geworden ist …

Wo dein Wort niemand hören will …

Amen